Ist Dein Leben bereits filmreif? (Teil 2/2)

Stell Dir vor, Du suchst nach einem einfachen Weg, etwas Bestimmtes zu erreichen und knapp 45 Mio. Erwerbstätige in Deutschland tun es Dir - mit mehr oder weniger Nachdruck - gleich.

Jeder dieser Menschen will sich genau in diesem Moment in irgendeinem Bereich seines Lebens verbessern.

Egal was es ist.

Wir nennen es nicht immer Persönlichkeitsentwicklung aber in der kondensierten Betrachtung ist es genau das.

Und es muss natürlich immer schnell gehen, weil wir so hektisch leben, dass uns unsere Probleme erst so spät bewusst werden, dass sie uns bereits zu Kopf steigen.

Das zieht unweigerlich Anbieter auf den Markt, die das Hauptziel aus den Augen verlieren und lediglich eine unterhaltsame Packung schnüren.

Ein Feuerwerk.

Als nächstes stell Dir kurz vor, Du bist angestellt und verantwortlich dafür, einen wichtigen Kongress für die 5.000 Kollegen innerhalb Deiner Organisation vorzubereiten, auf welchem auch eine inspirierende und bewegende Keynote gehalten werden soll.

Man kann in 45 - 60 Minuten tolle Impulse geben.

Aber was nahezu unmöglich ist, ist einen Menschen in so kurzer Zeit nachhaltig zu verändern.

Geschweige denn alle Teilnehmer!

Also fokussierst Du Dich auf einen der Speaker, die es verstehen, mit Witz, Charme, einem Sack voll Nebelgranaten und motivierenden Sprüchen aus Glückskeksen nachhaltigen Eindruck zu schinden.

Speaker mit Glückskeksen und Nebelgranaten

Diesen Eindruck würdest Du nämlich ganz gern auch bei Deinen Kollegen schinden indem etwas von der Glorie des Speakers auf Dich abfärbt, weil letztlich Du es ja warst, die alles arrangiert hat.

Aber selbst wenn Du Dich nicht so entschieden hättest, wurdest Du auf jeden Fall im Voraus vom Vorstand so gebrieft, dass Du Dich für diesen Typ von Entertainer entscheiden sollst.

Daher spielt Deine persönliche Präferenz hier sowieso eine völlig untergeordnete Rolle.

Wenn Du für Dich selbst zu Hause im Internet ganz gezielt nach Informationen zum Thema Persönlichkeitsentwicklung recherchierst und Dich Dein im Job antrainiertes Effizienzdenken nur nach Methoden suchen lässt, die schnelle Erfolge versprechen, steckst Du bereits in Schwierigkeiten.

Veränderung muss absolut nicht zäh und langwierig sein, um erfolgreich zu sein. Aber unser Fokus nach einer schnellen Pille - dem "Quick fix" - führt uns unweigerlich zu Anbietern und Lösungen, die vielleicht nicht optimal für unsere weitere persönliche Entwicklung sind.

Ok, Zeit für etwas mehr Deutlichkeit.

Vielleicht wurdest Du bislang mit folgenden Halb- oder Unwahrheiten gefüttert und hast sie zu einem Bestandteil Deines mentalen Erfolgskonzepts gemacht.

Daher könnten einige dieser Aussagen etwas schmerzen.

Deine Träume in Realität umzusetzen hat nichts mit...

Willenskraft zu tun, noch damit, irgendwo...

die oder der Erste zu sein. Es hat auch nichts mit...

positivem Denken oder dem...

Setzen und Aufschreiben Deiner Ziele zu tun.

Die meisten unter uns suchen also an völlig falscher Stelle nach einer Lösung.

Und nur um Missverständnisse gänzlich auszuschließen, es hat auch nichts mit den folgenden, bewährten "Erfolgsstrategien" zu tun:

  • Dem Aufsetzen eines gewinnenden Grinsens
  • Frenetisch-hysterischem und zugleich grundlosem Geklatsche
  • Sporadisch getakteten "Chaka Chaka" Ausrufen (die übrigens nicht - wie manchmal behauptet - auf den Titel des 1998 erschienenen Buchs »Tsjakkaa!« des niederländischen Bäckermeisters, später Motivationstrainers Emile Ratelband, sondern noch viel ursprünglicher auf den hawaiianischen Shaka - Gruß zurückgehen...)

Keine dieser Maßnahmen trägt nachweislich dazu bei, dass Deine Synapsen in anderer Sequenz feuern, um dadurch Dein Verhalten in den gewünschten Situationen zu verändern.

Die Ursache für Dein bisheriges Scheitern liegt an gänzlich anderer Stelle als Du bislang vermutest.

Und ohne ein entsprechendes mentales Bugfix einzuspielen, wird Dich die Selbstsabotage - ein durchaus sinnvoller Schutzmechanismus Deines Verstandes - immer wieder regulierend (=ausbremsend) in Deinen Hintern treten, sobald Deine Ziele zu ambitioniert werden.

Du musst Dir Deinen eigenen "mentalen Kobold" installieren, der Dir zwar ebenfalls vergnüglich in Deinen Hintern tritt. Aber eben nur in die Richtung, in die Du auch tatsächlich gehen willst.

Dein Problem ist nämlich in der Regel nicht ein Defizit an Motivation sondern die Tatsache, dass Deine bereits vorhandene Motivation derzeit noch auf die falschen Ziele einzahlt. Du möchtest den letzten Satz vielleicht noch einmal lesen.

Träume in Realität zu verwandeln hat etwas mit der richtigen (Achtung, nicht: positiven!) Art zu denken zu tun, die eine Erwartungshaltung in Bezug auf Deine Ziele schürt und damit Deine Motivation entfacht.

Motivation ist im Gegensatz zur Prämisse der Chaka Chaka Verfechter nämlich keine Ursache sondern eine Folge.

Eine Folge der richtigen, zuvor geschaffenen Voraussetzungen.

Diese Voraussetzungen beginnen auch in Deinem Kopf, gehen aber weit über positives Denken hinaus.

Der folgende Teil dieser Artikelreihe beschäftigt sich mit einem Ansatz, der Dir weiterhilft, wenn Du genug vom seichten, narkotisierenden Entertainment der Self-Help Branche hast.

WEITER

(Unter anderem mit: Echte Motivation durch tieferes Verständnis anstatt durch kaltes Duschen, Löwengebrüll und hysterisches Geklatsche.)